Buchpremiere: Lauf rückwärts!

Und das ist sicherlich keine Aufforderung zum Rückschritt, sondern ein Appell an das Premiere-Publikum, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten. “Sie können es aber auch sein lassen.”, so Maike van den Boom.

An die 65 Zuschauer erleben mit der Buchpremiere “Wo geht’s denn hier zum Glück?” am 28. April im Odysseum in Köln, einer Lesung der anderen Art. Angefangen mit einem lustigen making of-Film werfen sich Autorin und Moderatorin später gegenseitig die Bälle zu: Die bunte Key-note von Maike van den Boom untermalt Shary Reeves humorvoll mit den passenden Stellen aus dem Text.

Post_it“Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Freiheit!”, ist einer der Lernpunkte, die das Publikum gleich in die Tat umsetzten muss. Auf gelbe Aufkleber wird eifrig geschrieben, was man wirklich tun möchte. Die brillante Ausrede, es dann sein zu lassen, schreibt jeder gleich dazu.

“Es gibt definitiv kein DU hier – ICH da. Wir sind alle miteinander verbunden.”, ist die zweite Erkenntnis, die jeder der Anwesenden durch eine kleine Übung selbst erfährt. Die meisten Zuschauer scheitern erfolgreich, sich nicht durch ein Lächeln ihres Gegenübers anstecken zu lassen. Gute Nachrichten also!

Glücksbringer in der ganzen Welt, sind andere Menschen. Das kann auch Eduardo Wills Herrera, Professor für Wirtschaft und Glück an der Universität de los Andes in Kolumbien, bestätigen. Auch er ist heute Abend zu Gast. Trotz der Gewalt und der sozialen Ungleichheit sind die Menschen in diesem Land sehr glücklich, so berichtet er. Und das kommt durch den Zusammenhalt der Menschen untereinander.

“Dort, wo man sich dem Wert der Gemeinschaft verpflichtet fühlt, verhält man sich dementsprechend: konsensorientiert, rücksichtsvoll, respektvoll.”, so die Glücksreisende weiter. Schlechte Karten also für Alphatiere und Selbstverliebte.

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Professor Ruut Veenhoven erklärt in der anschließenden Talk-Runde das Entstehen des “World Database of Happiness”. Der dänische Wahl-Kölner Michel Birbæk stellt fest, dass der Deutsche dem Glück viel kritischer gegenüber steht, als sein dänischer Nachbar. Dr. Stefan Bergheim berichtet über seine Erfahrungen mit dem Forum für mehr Lebensqualität in Frankfurt. Und zu guter Letzt lässt sich Dr. Wolfgang Richter vom Odysseum auf seinen spannenden, digitalen Glücksmesser schauen. Den bekommt jeder Besucher angeheftet, der ab Mitte 2016 durch die neuste Glücks-Ausstellung des Odysseums streunt. Richters Glücksniveau ist während der Buchpräsentation übrigens gestiegen. Genau das wollten wir hören.

Der abschließende Film der O-Töne der Reise lässt noch einmal schmunzeln und nachdenklich werden.

Ein runder Abend, der die Gäste beglückt zu Wein und Häppchen ins Foyer entlässt.

 

 

Danke für die großzügige Unterstützung liebes Team des Odysseums und des FISCHER Verlags, sowie das Filmteam der Firma Rheinklang Media und dem Fotografen Wolf Gatow. Danke Dr. Stefan Bergheim, Prof.  Ruut Veenhoven, Dr. Wolfgang Richter und Michel Birbæk für die wertvollen Beiträge. Danke Shary Reeves für die großartige Moderation. 

 

 

Glück heißt, das Richtige wichtig finden

Die Bundesregierung möchte jetzt von euch wissen, was euch wichtig ist. Wenn das so einfach wäre! Erstens: Wer sagt uns denn Bitteschön, was richtig und wichtig ist? Und zweitens: Wenn wir das Richtige wichtig finden … das im täglichen Leben auch wirklich zu leben, ist wohl die größte Herausforderung eines jeden.

Die erste Frage kann niemand mit Sicherheit beantworten. Die glücklichsten Menschen dieser Welt haben mir aber eine Menge Tipps für euch mit auf den Weg gegeben. Sie haben mir verraten, in welcher Lebenshaltung denn das “gute Leben”, das glückliche Leben begründet liegt.

Und das ist nicht Geld, Ruhm, Macht und Erfolg!

Ach – das wusstet ihr schon?

Glücklich macht es dich ja auch, wenn du dich mit anderen verbunden fühlst, wenn du das Gefühl hast, dein Leben frei  gestalten zu können, gelassen in die Zukunft zu sehen und mit Respekt behandelt zu werden?

Ja – dann handle doch danach! “Ändere dein Leben, ändere alles. Lauf rückwärts!”, gab mir Thomas, ein Schwede auf der Fähre nach Göteborg mit auf den Weg. Es gibt für alles einen Weg und für nichts eine Ausrede. (Wusstest du schon, dass die Schweden nach der Inglehart-Welzel Cultural Map die individualistischsten Menschen der Erde sind?)

Zum heutigen Weltglückstag erschien dieser Auftaktartikel im Bonner Generalanzeiger mit dem Aufruf an alle Bürger, sich am Dialog mit der Regierung zu beteiligen:

– Zu sagen, was ihnen wichtig ist
– Was ein gutes Leben für sie bedeutet
– Was die Faktoren für Lebensqualität sind

Läuft! Jetzt kann es also losgehen. So wie ich haben andere Person, Institutionen oder Vereine die Initiative ergriffen, um als Multiplikator für ihre Stadt aufzutreten. In über 100 Städten werden bis Juli die Bürger in Workshops befragt. Die Ergebnisse werden von Wissenschaftlern ausgewertet und dienen dann als Indikatoren für die zukünftige Regierungspolitik.

(Für alle Bonner: Der Bürgerdialog findet am 27. April, 16.30 Uhr bis 20.00 Uhr im Collegium Leoninum statt. Anmelden? Einfach dort anrufen: Tel. 0228/62980. Anmeldeschluss ist der 15. April.)

Zeit also, den Finger zu strecken. Denn einer der richtig wichtigen Glücksfaktoren ist, sich konstruktiv gesellschaftlich mit einzubringen. Denn wir sind mehr als “du hier” – “ich da”. Wir sind alle ein Teil eines Anderen. In jeder Rolle die wir erfüllen, als Freund, Mitarbeiter, Führungskraft, Bürger. Es sind andere Menschen, die dich mit dorthin gebracht haben, dorthin wo du jetzt bist. Es sind Menschen, mit denen du zusammen deine Zukunft gestaltest. Ob als Paar, Familie, Viertel, Stadt, als Unternehmen oder als Land.

Ich begrüße diese Initiative der Bundesregierung! Denn Glück ist nicht nur unser aller Privatsache. Du kannst deine Haltung ändern und wenn viele es ihnen gleich tun, kannst du deine Umgebung beeinflussen. Doch wir agieren immer in einem größeren Rahmen, dem der Kultur, der Politik eines Landes, eines Unternehmens. Denk  doch allein einmal an die zahlreichen Regulierungen in Deutschland. Sie verhindern freies Handeln und fördern nicht gerade den Mut zu Neuem. Aber auch die Kollegen, die den Kopf schütteln, wenn du den sicheren Job kündigst, um das Beste aus dir selbst zu machen. Wo Sicherheit doch so wichtig ist in “good old Germany”. Richtig wichtig?

Wir beeinflussen einander und werden beeinflusst. Veränderungen müssen durch dich von unten herauf wachsen und von oben durch die Politik im Land, in Städten, in den Unternehmen herunter sickern. Und dort, wo sie sich treffen, entsteht dann der Ansatz einer neuen Mentalität.

Ich denke, wir sind auch in Deutschland bereit für das gute Leben.

Was meinst Du? Bitte schenke mir deinen Kommentar!